Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

Oldtimer-Meeting_Programmheft-2013

DENEINSTIEGINDASAUTOMOBIL- JAHR1913 läutet bereits der 4. Januar ein: Der Vor- stand der noch jungen Badischen Auto- mobilführer-Vereinigung lädt „abends um 7 ½ Uhr“ zum ersten Stiftungsfest in das Hotel Baldreit ein. Das Fest ist verbunden mit einem Glückshafen (Tombola) und der „Mitwirkung des verehrlichten Män- ner-Gesang-Vereins Frohsinn sowie des geschätzten Salon-Humoristen Fritz Groß. Hierauf: Tanz. Hierzu laden wir unsere Freunde und Gönner höflichst ein. Ein- tritt und Tanz frei.“ Die damaligen Autofahrer, fast aus- schließlich sehr gut betuchte Menschen, schließen sich gerne in exklusiven Ver- einen oder Clubs zusammen. Dies sind aber auch fortschrittlich denkende Men- schen, die längst die unschätzbaren Vor- teile des Automobils erkannten. Ein Um- schwung vom alten Denken, das der Pfer- dekutsche fest die Treue hielt, setzt sich durch. Aus dem Begriff Automobil wird mehr und mehr das heute noch ge- bräuchliche Wort Auto. Und statt der Pferdedroschke wählt der etwas auf sich haltende Kurgast die Kraftdroschke, also den motorbetriebenen Taxameter, später Taxi genannt. Werfen wir einen Blick auf die Zahlen. Die Großherzoglich Badische Verwaltung hat dazu interessante Fakten: „Nach dem Stand vom 1. Januar 1913 gibt es im Großherzogtum Baden 3052 Kraftfahr- zeuge. Im Laufe der letzten sechs Jahre, seit 1. Januar 1907, hat sich die Zahl von 1117 nahezu verdreifacht. Von den aktu- ell zum Jahreswechsel ermittelten Kraft- fahrzeugen dienen 2800 der Personen- und 252 der Lastenbeförderung. Erstere bestehen aus 946 Krafträdern und 1854 Kraftwagen. Gegenüber dem Vorjahr nahm die Zahl der Krafträder um 25 ab, die der Kraftwagen um 271 zu.“ DIEBADEN-BADENERDAMPFWALZE Bereits 1898 erwarb die Stadtverwaltung eine schwere, dampfbetriebene Straßen- walze bei der Maschinenbaugesellschaft Heilbronn. Die leise fauchende Dampfwalze leistet stattliche 18 PS und wiegt 16 Tonnen. Erst 1948, nach 50 Jahren im kurörtlichen Einsatz, wird die dunkelgrüne Straßenwalze an einen Straßenbaubetrieb in Kirchheim/ Teck verkauft. Heute steht sie in der großen Halle des Technik-Museums in Speyer und ist nach wie vor einsatzbereit. Jahr für Jahr sperrt die Stadt wegen des „Vornehmens von Walzarbeiten“ vo- rübergehend viele Straßen für den Fuhr- werksverkehr: 1913 beginnen die Arbei- ten bereits am 10. Februar. Die Walz- arbeiten ziehen sich über das gesamte Jahr hin und sind nur während des Win- ters unterbrochen. Nicht wenige Innen- stadt- und Hauptverkehrsstraßen bekom- men zwei- oder mehrmals jährlich Besuch von der Dampfwalze. Speziell im begin- nenden Frühling ist der Einsatz der Dampfwalze dringend nötig. Es gilt, die durch die langen, kalten Wintermonate mitgenommenen Straßen für die Saison aufzubereiten, Schlaglöcher zu glätten und die Fahrbahn für die warme Jahres- zeit vorzubereiten. Die wachsende Zahl von Automobilen, aber auch der zuneh- mende Fuhrverkehr verlangt nach gut ausgebauten Straßen. 10 »37. Int. Oldtimer-Meeting 2013« AUTOFAHREN IN BADEN-BADEN VOR 100 JAHREN VON DAMPFWALZEN, EINEM 50-PS-MERCEDES- WAGEN UND EINACHSIGEN BREMSANLAGEN Einfach anders waren die Zeiten anno 1913: Deutschland hatte noch einen Kaiser, nach wie vor dominierte die elegante Pferdekutsche und diese „lärmenden und stinkenden Automobile“ hatten sich noch längst nicht durchgesetzt. Roland Seiter hat das Jahr für uns recherchiert.

Pages